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Windkraft in Schweden wächst trotz Widerstände um ein Drittel

von Sören Padel

In diesem Jahr sind in Schweden circa 500 MW Windenergie neu installiert worden. Damit gibt es nun ungefähr 2 GW (2.000 MW) im ganzen Land. Zum Vergleich: in Deutschland waren Ende 2009 knapp 26 GW installiert, jedes Jahr kommen (vor Allem durch den Austausch alter Werke durch weniger, aber leistungsstärkere Anlagen) circa 2 GW dazu. Der deutsche Zuwachs entspricht also ungefähr dem schwedischem Bestand, und das, obwohl Schweden viel bessere natürliche Voraussetzungen hat (Schweden hat bessere Windverhältnisse, ist größer und außerdem dünner besiedelt, hat dazu mehr Wasserkraft, die man als Regelenergie braucht) und genau wie Deutschland einen leistungsstarken und exportorientierten Maschinenbau, der das technologische Potential für mehr hat. Aber es gibt keine Garantiepreise für grünen Strom, so dass private Haushalte mangels Planungssicherheit Investitionen in Wind vermeiden. Das führt zu einer mangelnden Einbindung der Lokalbevölkerung in geeigneten Gebieten und damit zu eine geringen Akzeptanz der Windräder. In Deutschland befinden sich circa 2/3 aller Windmühlen in genossenschaftlichem oder privatem Besitz. Dieses breite Engagement fehlt in Schweden. Es gibt nur sehr wenige Genossenschaften. Diese müssen übrigens den Strom, den sie zum Selbstkostenpreis für den Eigenverbrauch produzieren, versteuern: die Differenz aus dem Selbstkostenpreis und dem Preis der Konzerne wird mit circa 30 Prozent Einkommenssteuer belegt. Mit anderen Worten, die Genossenschaftler müssen für den Gewinn, den sie nicht machen, der aber von den großen Energiefirmen erzielt wird, Steuern zahlen. Dass das von der Bevölkerung nicht als Anreiz zum mitbürgerlichen Handeln aufgefasst wird, ist unschwer nachzuvollziehen und offensichtlich politisch gewollt, setzt doch die bürgerliche Regierung auf dem Ausbau der AKW:s, da braucht man keine störende Konkurrenz.

Ins Bild passt, dass bisher auf ein MW installierte Leistung geplante 2,5 MW kommen, deren Realisierung gestoppt wurde. Die Windkraftgegener bekommen dabei großen mediale Unterstützung, befinden sich doch fast alle große Tageszeitungen unter dem Einfluss bürgerlicher oder neoliberaler Parteien. Auch in den öffentlich-rechtlichen Medien gibt es kaum Grüne oder Linke (die einzigen Parteien, die ausdrücklich für Erneuerbare Energien sind), was sich in der Berichterstattung zum Thema widerspiegelt. So wird Schweden auch in Zukunft hinsichtlich der EE ein Entwicklungsland bleiben, das innovative Impulse nur durch externe Großinvestitionen erhält.

http://sverigesradio.se/sida/artikel.aspx?programid=83&artikel=4255407

 


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